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Sondcheck Test: PALMER Acoustic Pocket PREAMP – Der Akustik-Spezialist

Der Acoustic Pocket Preamp wertet Akustikgitarren Signale auf und ist Mischpult, Feedback-killer sowie dI-Box in einem Gehäuse – ein Spezialwerkzeug für Gitarristen, die ihren Sound nicht dem Zufall, oder besser gesagt dem Mischer, überlassen wollen.

Akustikgitarren-Tonabnehmer bleiben ein leidiges Thema, denn die Verstärkung ist immer noch mit klanglichen Kompromissen verbunden. es gibt zwar immer wieder Hersteller, die damit werben, eine neue Wunderkiste entwickelt zu haben, die nun endlich einen Pickup-sound in den klang einer mikrofonierten Gitarre verwandelt, aber so richtig durchgesetzt hat sich davon noch keine Erfindung. es stehen allerdings viele Mittel zur Verfügung, um den klang aufzuwerten und dem Ziel des natürlichen Klangs deutlich näher zu kommen. Dazu muss aber der Frequenzgang individuell auf den Gitarrentyp angepasst werden, da jedes Instrument unterschiedliche Stärken und Schwächen hat. Presets allein machen hier in der Regel also wenig sinn. ein weiteres Problem sind Feedbacks bei akustischen Instrumenten, die sich bei Akustikgitarren im Bassbereich bemerkbar machen. Hier kann es vorkommen, dass klanglich alles perfekt ist, sich aber ein einzelner Ton auf der tiefen e- oder A-saite immer wieder zu einem unerträglichen Dröhnen hochschaukelt. Die Lösung dieser und noch weiterer Probleme hat sich der Acoustic Pocket Amp von Palmer zur Aufgabe gemacht und kann darüber hinaus auch noch mit zusätzlichen Features wie Klangsimulationen, einem Kopfhörerverstärker und integriertem signal-splitter auftrumpfen.

Vielseitig einsetzbar
Der Preamp eignet sich für alle Instrumente mit aktiven oder passiven Tonabnehmern. er kann auch für Banjos, Geigen, Cellos, Bässe und vieles mehr eingesetzt werden, was ihn zum flexiblen Allrounder macht, der auf alles vorbereitet ist. Für überdurchschnittlich laute Tonabnehmer gibt es einen Padschalter, der das Signal des Pickups um -12 Dezibel absenkt. Dank des XLr-Anschlusses wird eine weitere DIBox überflüssig, da sich der Acoustic Pocket Amp direkt an ein Mischpult anschließen lässt. ein Ground-Lift-schalter ist vorhanden, um unerwünschte Brummschleifen zu eliminieren. Dank des Eingangs-Limiters sind Eingangsverzerrungen kein Thema. Der genaue Pegel kann am Gain-regler feinjustiert werden. Aufgrund des stabilen Gehäuses ist der Preamp absolut road-tauglich und fängt so manchen stoß locker ab. Gespeist wird das Gerät mit einem 9-Volt-Netzteil oder einer Batterie. Das Gitarrensignal lässt sich splitten, um es beispielsweise ans Mischpult und an einen zusätzlichen Gitarrenamp zu leiten. Zusätzlich gibt es eine Buchse, die auch das unbearbeitete Signal durchschleift, was beispielsweise bei Live-Aufnahmen gewünscht sein kann. Über die InsertBuchse lassen sich Kompressoren oder andere Effekte problemlos einschleifen.

Auf Anhieb sympathisch
Der erste Klangeindruck bestätigt, dass der Acoustic Pocket Amp den Sound tatsächlich auf Anhieb hörbar angenehmer macht. Das Gerät ist sehr einfach zu bedienen und mit etwas Grundkenntnissen aus dem studio-Bereich schnell eingestellt. Der Dreibandequalizer ist speziell für akustische Instrumente abgestimmt, was beim Mittenregler deutlich wird, da sich hier der bearbeitete Frequenzbereich zwischen 150 Hertz und  8 Kilohertz verschieben lässt, wo die häufigsten Ursachen für topfigen Piezosound zu finden sind. Präzisionsarbeit, die vielen Mischpulten mit einem einfachen Mittenregler vorenthalten bleibt. Hier kann je nach Gitarren die passende Einstellung vorgenommen werden, damit der Tonkutscher beim Auftritt nicht mehr lange nach Störfrequenzen suchen muss. Feedbacks lassen sich mit Hilfe des Notch-schalters unterdrücken, der zwischen 20 und 400 Hertz arbeitet. Da die ausgewählte Frequenz extrem schmalbandig abgesenkt wird, ist kein Einfluss auf den Gesamtsound hörbar. Über den Blend-regler lässt sich das Verhältnis zwischen Eingangssignal und dem bearbeiteten Signal bestimmen, damit es nicht zu synthetisch klingt. Allerdings ist bei dezenter Verwendung der Einstellungen auch ein erstklassiger klang mit komplett bearbeitetem Signal möglich. Der Preamp hat neben klassischen Klangeinstellungen noch mehr unter der Haube. Interessant ist insbesondere der style-regler, der verschiedene Grundsounds ermöglicht: Modern hat einen auffallend präsenten Charakter, während Vintage eher warm und runden klingt. In der Stellung Flat wird das Signal nicht weiter beeinflusst. Hier lohnt es sich auf jeden Fall etwas mit verschiedenen Gitarrentypen zu experimentieren, da der angenehmste klang immer von der Bauform des Instruments und den Eigenschaften des Tonabnehmers abhängt. Beim Test mit einer Gibson J-200, die mit einem Fishman Matrix Infinity ausgestattet ist, macht insbesondere die Vintage-Voreinstellung eine ausgezeichnete Figur, da sie der Gitarre nicht nur Wärme, sondern auch etwas mehr Weite verleiht. Der Notch-Filter arbeitet zuverlässig und kann im Testszenario erfolgreich eine Rückkopplung unterdrücken, die immer wieder beim Greifen des dritten Bundes auf der e-saite auftrat. Das Gerät kann in der Praxis also tatsächlich überzeugen.

An alles gedacht
Das DI-signal kann über einen Wahlschalter entweder vor oder hinter den Klangeinstellungen abgegriffen werden, was einen Einsatz als reine DIBox ermöglicht. Am Mode-schalter gibt es Presets für magnetische Tonabnehmer, eine Einstellung mit Bassabsenkung für Geigen und zur Verminderung von Korpusgeräuschen sowie eine Einstellung für Akustik- und Kontrabässe, wenn auch Bassfrequenzen ohne Low-Cut wiedergegeben werden sollen. Der Palmer Acoustic Pocket Preamp ist so etwas wie ein Schweizer Messer für Musiker mit akustischen Instrumenten, da er nicht nur den klang entscheidend aufwerten kann, sondern auch über viele nützliche Bordmittel wie Feedback-Unterdrückung, einen DI-Ausgang und einen Insert-effektweg verfügt. Durch die kompakte und robuste Bauweise dürfte das Gerät in Zukunft Platz auf vielen Pedalboards finden.

Autor: Gerrit Hoss (Soundcheck.de)

Weitere Informationen:
soundcheck.de
palmer-germany.com
palmer-germany.com/pocketamp
adamhall.com

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