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Palmer Daccapo – Noch nie war ein Levelregler so wichtig! – Testbericht von Amazona

Re-Amplification Box? Nicht wenige, bei denen dieser Begriff nur ein verunsichertes Achselzucken hervorrufen wird, entspringt dieser Begriff doch ausschließlich modernen Gitarrenaufnahmeverfahren, wie sie in Tonstudios verwendet werden. Um das weiter unten beschriebene Verfahren zu optimieren, hat die Firma Palmer mit der DACCAPO eine unscheinbare, orange-farbene kleine Kiste auf den Markt gebracht, die es in sich hat!

Konstruktion
Was genau bedeutet Re-Amping eigentlich? Der reguläre Ablauf einer professionellen Gitarrenaufnahme sieht im Allgemeinen wie folgt aus. Der Künstler wählt in Absprache mit dem Produzenten eine Kombination Gitarre-FX Pedal-Verstärker-Box-Lautsprecher-Mikrofon, die beiden für einen speziellen Part als optimal erscheint und nimmt diese auf. Die Performance des Künstlers ist, optimal das Timing (ausnahmsweise …) eine Freude, nur leider stellt sich im Nachhinein heraus, dass der Amp doch mit den 6L6 zu sehr untenrum pumpt, der Overdrive doch zu wenig Gain hatte oder aber das Mikrofon zu stark auf die Kalotte zeigte und im Gesamtkontext unerwartet quäkt.

Jetzt ist guter Rat teuer. Fehlende Bässe kann der Equalizer eventuell noch aufholen, aber zum Beispiel in Sachen Verzerrungsgrad sind die Würfel gefallen. Noch mal neu einspielen? Dann ist der Künstler genervt, zumal die Performance sehr gut war und die zusätzliche Studiozeit das Budget belastet. Jetzt schlägt die Stunde des Re-Ampings, was die folgende Signalkette bis auf das Gitarrensignal neu aufrollt.

Erreicht wird das durch eine parallele Aufnahme des cleanen Gitarrendirektsignals auf eine zusätzliche Aufnahmespur, die nun im Wiedergabemodus eine neue Kombination FX Pedal-Verstärker-Box-Lautsprecher-Mikrofon zulässt. Um dieses Signal nun wieder aus dem Rechner raus in einem optimierten Signal an den Amp zu bekommen, bedarf es einer, ihr habt’s erraten, Re-Amplification Box!

Warum eine eigene Box, werden sich einige fragen. Signal raus aus Interface, rein in den Amp und gut. Nun, das mögen die Keyboarder so sehen, (die unglücklicherweise auch die Mehrzahl der Toningenieure stellen …;-) aber man möge ihnen verzeihen. Bei Overdrive denken die Tastendrücker sofort an zu wenig Headroom und der „typische Stratsound“ ist für sie der Pickupschalter in Position 4, direkt ins Pult. Um die analoge Chaostheorie vom Gitarren Recording wieder mit perfektem Pegel in den Amp zu bekommen, bedarf es daher einer Speziallösung, wie es die Palmer DACCAPO ist.

Besagtes Gerät verfügt zunächst über einen symmetrischen XLR-Eingang, schaltbar mit -10 dBV oder +4 dBV und mit einem Groundlift, der sich als sehr hilfreich entpuppt, sollte euer Recording-Equipment und der Gitarrenverstärker verschiedene Erdungspunkte haben. Bis hierhin aber noch nichts Ungewöhnliches. Das Konstruktionshighlight ist ein unscheinbarer Drehregler mit der Bezeichnung Level, der sich neben dem Isolated-Output im Klinkenformat befindet. „Was soll an einem Outputregler schon besonders sein“, fragt sich da der Keyboarder. Dank der interaktiven Aktion der einzelnen Komponenten untereinander, ist der eingespeiste Level des Signals essenziell für alle folgenden Komponenten. Ohne diesen Regler würde unser Reamping schlimmstenfalls zwischen hohlem Dünnpfiff und übersteuerter Presswurst wechseln.

Praxis
Der wahrscheinlich kürzeste Praxistest unseres Magazins: alles perfekt! Die Palmer DACCAPO macht genau das, was sie soll, und das auch noch in Perfektion. Unspektakulär und dennoch als zentrales Element im Signalfluss ist ein perfektes Reampen ohne dieses Produkt undenkbar. Durch den Level-Regler lassen sich Vollröhrenamps sehr schön in die Kompression fahren und erhöhen bei Bedarf auch gerne den Pegel eines Vintage Single Coils, ohne die Nebengeräusche zu erhöhen. Ein Feedback stellt sich natürlich auch nicht ein, das Noisegate kann zu Hause bleiben. Die Palmer DACCAPO ist übrigens eine passive Box und benötigt keinerlei Spannungsversorgung. Nebenbei, die Verarbeitung des Produktes ist wie immer bei Palmer auch dieses Mal von höchster Qualität.

Fazit
Mit der Palmer DACCAPO führt der deutsche Hersteller das perfekte Regelelement im Reamping in seinen Reihen. Unauffällig in der Haptik, besitzt es genau die Bauelemente, ohne die ein perfektes Reamping nicht möglich wäre. Mit einem Ladenpreis von unter 80 Euro liegt der Preis im Bezug auf seine Leistung in einem sehr moderaten Segment.

Wenn du als Engineer mit diesem Gerät vor deinen Kunden herumwedelst, werden die meisten wohl nur die kräftige Gehäusefarbe wahrnehmen, der erfahrene Profi hingegen wird dir weinend vor Freude in den Armen liegen!

Plus
Konzeption
Verarbeitung
Details

Minus

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Quelle: amazona.de; Februar 2016; Deutschland: https://www.amazona.de/test-palmer-daccapo/
Autor: Axel Ritt

Hier erfahren Sie mehr über die Palmer Daccapo:
http://www.palmer-germany.com/mi/de/DACCAPO-Re-Amplification-Box-PDACCAPO.htm

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