Eminence Speaker | Tech Talk mit „Big Tony“ | Leistungsangaben bei Lautsprechern

Die Leistungsangaben von Lautsprechern gehören wohl zu den am meisten missverstandenen technischen Angaben der Branche. Um sinnvoll zu sein, muss die Leistungsangabe immer zusammen mit anderen Spezifikationen betrachtet werden, so wie ein Sachverhalt auch erst im Kontext mit dem „Wann“ und „Wo“ einen Sinn ergibt. Eminence bestimmt die Leistung seiner Lautsprecher nach der EIA-Standardmethode 426A. Dabei wird der Lautsprecher freihängend mit einem Dauerrauschen mit einem Scheitelfaktor von 6 dB gespeist. Die kontinuierliche Ausgangsleistung in Watt bezeichnet im Grunde eine thermische Belastungsgrenze. Eminence gibt die Leistung nicht als „Watt (RMS)“ an, da die Angabe „RMS“ im Zusammenhang mit Spannung bzw. Stromstärke verwendet wird, nicht für Watt-Angaben. Der Wert für die Musikleistung ist immer doppelt so groß wie der Wert der kontinuierliche Ausgangsleistung. Der Wert ist deshalb höher, weil die Leistung bei der Musikwiedergabe schwankt und den Lautsprecher damit weniger fordert als ein kontinuierliches Signal. Dieser Wert eignet sich gut, um für professionelle Anwendungen Verstärker mit ausreichend Leistung und Aussteuerreserven auszuwählen. Eminence gibt zwar keinen Peak-Wert an, wir gehen hier aber davon aus, dass er beim Vierfachen der kontinuierliche Ausgangsleistung liegt. Der Peak-Wert liegt deswegen höher, weil eine kurze Leistungsspitze einen Lautsprecher weniger fordert als ein Musik- oder Dauersignal.

Alle auf unserer Webseite angebotenen Eminence-Lautsprecher werden einem Leistungstest unterzogen. Eminence stellt auch OEM-Produkte für andere Firmen her, die dann nicht unbedingt unseren Markennamen tragen. Diese Lautsprecher werden speziell nach den Spezifikationen des jeweiligen Auftraggebers gefertigt und bei Eminence keinen Leistungstests bzw. -messungen unterzogen. Der Hersteller entscheidet selbst, ob er seinen Verstärker oder seine Box testen und messen möchte, wobei eine Messung der Lautsprecherleistung möglicherweise gar keine Rolle spielt. Funktioniert beispielsweise ein Lautsprecher in einem 300-Watt-Produkt zur Zufriedenheit, ist es unerheblich, ob der Lautsprecher vielleicht für 500 Watt ausgelegt ist. Die Leistung der Box bzw. des Verstärkers wird dann insgesamt mit 300 Watt angegeben. Für Hersteller von Boxen und Verstärkern ist die mechanische und klangliche Qualität von weit größerer Bedeutung. Hinsichtlich der mechanischen Leistung kommt es darauf an, wie gut die T/S-Parameter der Lautsprechers auf das verwendete Gehäuse abgestimmt sind.

Diese Werte sind dann besonders wichtig, wenn ein Lautsprecher für ein bestimmtes Gehäuse ausgewählt werden soll. Denken Sie daran, dass der thermische Leistungswert dabei niemals überschritten werden darf, da der Lautsprecher sonst überlastet werden könnte. Die mechanische Leistung eines Lautsprechers variiert je nach Gehäuse und hängt vom Volumen der Box und der Abstimmfrequenz (bei Bassreflex-Boxen) ab. Größere Boxen und solche mit niedriger Abstimmfrequenz absorbieren mehr Leistung und reduzieren damit die mechanische Gesamtleistung des Lautsprechers. Bei Tieftonlautsprechern wirkt sich die Gehäuseform besonders aus, da zur Erzeugung tiefer Frequenzen mehr Leistung benötigt wird. Je tiefer die Frequenz, desto mehr Luft muss der Subwoofer bewegen. Bei Anwendungen im Tieftonbereich (z. B. Bassverstärker oder PA-Tieftöner) kann es also durchaus erforderlich sein, für einen 300-Watt-Verstärker einen für 500 Watt ausgelegten Subwoofer einzusetzen.

Mit Hilfe der T/S-Parameter können Sie herausfinden, ob ein Lautsprecher für die geplante Box und Verstärkerleistung geeignet ist. Auf Basis der T/S-Parameter können Sie außerdem die für Ihre Box erforderliche mechanische Leistung des Lautsprechers bestimmen. Die Parameter Schwingspulenüberhang (Xmax) und Schalldruck (SPL) werden immer wieder übersehen. Dabei ist gerade der Xmax-Wert für Anwendungen im Pro-Audio-Bereich und für Bassboxen wichtig. Dieser Parameter gibt die maximale lineare Auslenkung an, oder einfacher ausgedrückt, wie weit die Membran bewegt werden kann, ohne dass schädliche Verzerrungen auftreten. Je größer der Xmax-Wert, desto größer die maximale Auslenkung , d. h. desto tiefer die Bässe, die der Lautsprecher bei höheren Pegeln erzeugen kann. Bei Anwendungen im Tieftonbereich hängt der mechanische Leistungswert eines Lautsprechers also ganz entscheidend vom Xmax-Wert ab.

Mit Hilfe der Angabe SPL (Schalldruck) lässt sich die Lautstärke verschiedener Lautsprecher vergleichen: Je höher der Schalldruckwert eines Lautsprechers, desto weniger Verstärkerleistung wird benötigt, um eine bestimmte Lautstärke zu erreichen. Viele unsere Kunden nutzen den hohen Schalldruck unserer Pro-Audio-Lautsprecher in Bassverstärkern sowie in KFZ- und Hi-Fi-Anlagen. Zwar wirken sich die leistungshungrigen tiefen Frequenzen bei diesen Anwendungen negativ auf die mechanische Leistung aus, ein höherer SPL-Wert bietet aber auch eine Reihe großer Vorteile.

Ein gutes Beispiel ist der Einsatz eines professionellen Tieftonlautsprechers im Auto oder in einer Hi-Fi-Anlage: Nehmen wir an, ein 500-Watt-Lautsprecher leistet im Frequenzbereich zwischen 20 und 40 Hz tatsächlich nur 100 Watt. Kann dieser Lautsprecher in diesem Frequenzbereich aber 96 dB Schalldruck mit einer Verstärkerleistung von nur einem Watt erzeugen, ist das System insgesamt sehr effizient. Ein anderes Beispiel: Für Bassisten ist es oft sinnvoller, anstatt ausgewiesener Tieftonlautsprecher Fullrange-Lautsprecher mit hohem Schalldruckwert einzusetzen. Ein reiner Tieftonlautsprecher wäre nach den mechanischen Leistungsdaten zwar besser für die Box geeignet, wegen seines begrenzten Frequenzbereichs würde es der Box allerdings an Mitten und Höhen fehlen. Außerdem würde möglicherweise mehr Verstärkerleistung benötigt, um die gewünschte Lautstärke zu erzeugen. Ein Lautsprecher mit höherem Schalldruck und einem breiteren Frequenzspektrum bietet dagegen eine verbesserte Mitten- und Höhenwiedergabe und ist außerdem effizienter. Wie bereits erwähnt, kann für eine Verstärkerleistung von 300 Watt durchaus ein 500-Watt-lautsprecher von Nöten sein.

Bei Gitarrenboxen (in offener oder geschlossener Bauweise) fallen diese Unterschiede zwischen mechanischen und thermischen Leistungsangaben nicht so sehr ins Gewicht. Das übliche Frequenzspektrum einer Gitarre fordert einen Lautsprecher weniger, als es bei PA- oder Bassboxen der Fall ist. Das Lautsprechergehäuse spielt daher auch keine so große Rolle. Bei einer Gitarrenbox kommt dagegen Faktoren wie Größe und Material eine größere Bedeutung zu, da sich diese auf den Klangcharakter auswirken.

Sie fragen sich jetzt vielleicht, warum Eminence diese Werte dann überhaupt angibt? Nun, die thermische Leistungsangabe hilft Ihnen, das Potenzial eines Lautsprechers einzuschätzen liefert einen guten Vergleichswert. Die meisten unsere Lautsprecher sind vielseitig einsetzbar und damit nicht auf eine bestimmte Anwendung festgelegt. Oft setzen unsere Kunden die Lautsprecher erfolgreich bei Anwendungen ein, an die wir selbst nie gedacht hätten, und das ist auch gut so!

Alle Informationen zu unseren Produkten finden Sie unter:
http://www.adamhall.com/de/Eminence_Guitar_Speaker.htm

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