EMINENCE – PATRIOT und LEGEND – Testbericht von Gitarre & Bass

AMP STATION

Wie bereits angekündigt, werden wir in dieser Ausgabe die Eminence-Patriot- und -Legend-Serien untersuchen. Im Gegensatz zur eher britisch eingefärbten Red-Coat-Serie (siehe letzte Ausgabe) beschreibt das Unternehmen die Legend und Patriot-Modelle als typisch amerikanisches Klangstatement. Grundsätzlich klingen diese Speaker wärmer und dunkler als die Red Coats. Der Fokus liegt bei tieferen Mitten und einem milderen Hochton-Bereich.

red, white & blues
Der Red, White & Blues wird vom Hersteller als „klassisch amerikanischer Rock“-Lautsprecher beschrieben. Mit 120 Watt und einem Wirkungsgrad von 101 dB gehört er zu den stärkeren Kandidaten im Testfeld. Er klingt überraschend dunkel mit einer starken Betonung in den tiefen Mitten. Der Hochton ist sehr zurückhaltend und weich. Im Direktvergleich mit dem Heritage Celestion G12M wird deutlich wie stark diese Eigenschaften ausgeprägt sind. Man muss schon ein wenig Präsenzen und Höhen hinzugeben, um das Klangbild nicht zu dunkel zu gestalten.

Die Dynamik ist sehr stabil. Der Speaker hat seine Stärken eindeutig bei fetten, verzerrten Rocksounds, die richtig viel Druck und Bässe entfalten sollen. Spielt man filigraner oder eher etwas leiser, geraten die Klänge nicht ganz so gut. Ihm fehlen im unteren Lautstärkenbereich die Obertöne und die Breite, die etwa einen guten Blues-Ton ausmachen mögen. Seine Stärken entfaltet er daher eher mit Singlecoil-Gitarren, wobei er harsch oder zu hell klingende Amps so stark zähmen kann, dass man wieder richtig Spaß beim Spielen bekommt. So empfiehlt er sich zum Beispiel in Kombination mit sehr aggressiv und hell klingenden Marshall JCM 800eroder 900er-Amps. Hier entfaltet er einen enormen Druck, genügend Bass und einen sehr angenehmen Hochton, der solche Amps in einem ganz neuen Licht erscheinen lässt.

Insgesamt gut geeignet für Riff-Rocker, die Druck, tiefe Mitten und saftige Solosounds suchen. Der Straßenpreis liegt bei rund € 89. Auch das macht ihn äußerst attraktiv.

cannabis rex
Schon der Name dieses Lautsprechers verrät seine Besonderheit. Er kommt mit einer so genannten Hemp-Cone und steht dabei in direkter Konkurrenz zum berühmten Tone-Tubby-Lautsprecher, dessen Membran ebenfalls aus einem Hanf-Geflecht besteht. Und diese Gegenüberstellung entschied der Cannabis Rex eindeutig für sich. Er klingt kräftiger und dynamischer als der Hemp-Cone-Alnico von Tone Tubby. Sein Frequenzspektrum schien außerdem etwas linearer und ausgeglichener als beim Konkurrenten.

Im Hochton ist er nicht ganz so dunkel und die Mitten tönen durchsichtiger und offener. Für mich war dieser Lautsprecher in jeder Hinsicht eine positive Überraschung, denn sein Einsatzgebiet ist unglaublich vielseitig. Er klingt fantastisch für Jazz, Fusion, Blues oder Rock. Er leistet nur 50 Watt, was sich im Test aber kaum bemerkbar machte, denn er präsentierte sich beinahe ebenso stabil wie der Red, White & Blues oder der Swamp Thang. Besonders gut gefiel mir dieser „rauchige“ Hochton, der zwar sanft, aber sehr knackig tönt. Die Höhen schmatzen und kommen sehr, sehr breit. Fast so als hätte man einen Harmonizer zugeschaltet Zwar empfiehlt der Hersteller diesen Lautsprecher vor allem für Jazz und Country, mir gefiel er aber auch außerordentlich gut für Blues- und RockKlänge. Hier konnte ich die von mir geliebten „Cello“- oder „Violinen“-Klänge à Ia Jeff Beck oder Bonamassa perfekt gestalten.

Auch in einem Fender Blackface Deluxe Reverb entpuppte sich der Cannabis Rex als idealer Jensen-Ersatz. Ein Fender Amp klingt wunderbar warm und mittig mit diesem Speaker, ohne jedoch seine typischen Klangeigenschaften einzubüßen. Vor allem für die etwas heller klingenden Reissue-Amps von Fender wäre er also eine interessante Empfehlung. Ladenpreis: € 89
Ganz und gar attraktiv war die Kombination des Cannabis Rex mit dem Celestion G12M Green back, denn hier ergab sich eine ideale Synergie. Der Celestion liefert die britischen Höhen, der Cannabis Rex die Klangtiefe, die dunkeln Mitten und daher ein sehr dreidimensionales Gesamtergebnis. Bravo!

swamp thang
Achtung, hier kommt das “ Ding aus dem Sumpf“. Vielleicht angelehnt an den Trash-Monster-Film aus den Fünfzigern. Warum dieser Lautsprecher diesen markanten Namen trägt, erkennt man bereits vom ersten Ton an. Er ist das gelungene Statement von Eminence in Sachen Hardrock bis Heavy Metal mit satten 150 Watt Leistung (97 dB). Vielleicht sogar der beste Speaker überhaupt, der mir für diese Sparten unterkam. Sein Druck und seine Stabilität suchen seinesgleichen. Und das Frequenzspektrum ist so gewählt, dass man von Clean bis High-Gain stets gute Ergebnisse erhält. Seine Stärken entfaltet er aber erst bei ordentlich Lautstärke. Aber dafür wurde er schließlich gemacht. ln allen Sparten trifft die Bezeichnung „fett“ voll ins Schwarze. Er präsentiert dicke, stabile Bässe, markante Mitten und einen absolut überzeugenden Hochton, der nie zu harsch oder vorlaut gerät.
Ich kannte diese Speaker bereits aus der hervorragend klingenden „Club-Cab“-Box des Niederländers Paul Lenders. Der Swamp Thang scheint die ideale Lösung, möchte man mit einer kleinen 1 x12- oder 2×12-Bestückung eine Marshall 4×12 Fullstack-Front imitieren. Bei jedem Ton oder Akkord schaut man unweigerlich über die Schulter, um sich zu vergewissern, dass man wirklich nur einen einzelnen Zwölf-Zöller in der kleinen Marshall-Referenz-Box betreibt. Mit ihm gelingen fette Riffs genauso gut wie ein High-Gain-Solo à Ia Metallica oder Steve Lukather.

Für dieses Genre ist er auch einem ähnlich stabilen Electrovoice 12L überlegen, denn der Swamp Thang klingt rauer, rockiger und damit passender. Wer also ein Rack mit Dreikanal-Vorstufe spielt und auf High-Gain-Klassiker mit ordentlich Druck und Kontur zurückgreifen möchte, sollte diesen Speaker unbedingt testen. Eine offensichtlich ideale Lösung, wenn man die 4×12-Box einfach nicht mehr schleppen möchte. Mit einem Straßenpreis von rund € 89 ist er zudem recht günstig. Und Vorsicht: „lt might get loud!“

legend 1258
Hört man die unterschiedlichen Eminence-Serien im Vergleich, scheint es sich bei der Legend-Serie um die Urahnen der Red-Coat- und Patriot-Modelle zu handeln. Sie vereinen Eigenschaften, die bei den spezieller ausgeformten Red-Coat- und Patriot-Speakern ebenfalls auftauchen, aber nicht so spezifisch für bestimmte Musik-Sparten bestimmt scheinen. Der 1258 ist ein reinrassiger Vintage-Low-Budget-Lautsprecher (etwa € 59) mit stabilen 75 Watt, der vor allem für Jensen-Fans interessant sein dürfte. Er klingt offen, durch und durch amerikanisch mit knackigen Mitten und einem wunderschönen Hochtonbereich.

Im Bassbereich zeigt er sich verhalten und straff. Er klang beim Test sehr überzeugend mit Tweed-Combos, die ihren knackigen Attack und ihre raue Rock-’n‘-Roll-Note geeignet umsetzen müssen. Er tönt hell, aber nicht harsch, offen und durchsichtig. Der Grundton ist hölzern und rauchig, genauso wie man sich einen Fender Vintage-Ton vorstellt. Schade, dass ich den Weber 12F150 noch nicht hier habe. Hier wäre ein Direktvergleich bestimmt äußerst interessant. ln einer 15-Zoll-Version ist dieser Lautsprecher etwa in dem von mir getesteten Victoria 25115 Tweed-Combo verbaut. Auch hier passte dieser Speaker wirklich hervorragend.

Angesteuert von einem Marshall 18 Watt oder JTM45 erinnert sein Klangspektrum sogar etwas an den G12M von Celestion. Vor allem die Bässe kommen ähnlich klar und rockig. Mit einer Telecaster entfaltet er einen rauen Twang, der für rockig orientierte Country-Spieler sehr attraktiv sein könnte. Insgesamt ist sein tonales Spektrum bei alten Keramik-Jensen-Lautsprechern angesiedelt. Dabei liefert er etwas mehr Leistung und Stabilität.

legend 1218
Dieser Speaker kommt zwar ebenfalls aus der Legend-Serie, zeigt jedoch ein deutlich anderes Spektrum als der 1258. Er präsentiert stärkere Mitten, einen sehr geschmeidigen Hochton und etwas mehr Bass als sein Bruder. Seine Stärke liegt in der Ansteuerung mit an gezerrten Amps, wobei er einen wunderschönen Fusion-Ton mit Dumble-Flavor entfaltet. Blues in Reinkultur. Schon bei geringen Lautstärken gelingen singende Solo-Linien, die mir vor allem mit einer Les Paul oder ES-335 gefielen. Man erinnert sich an die Soli von den Eagles, Steely Dan oder Lee Ritenour.

Eine gewisse Ähnlichkeit zum Heritage Celestion 65 ist offensichtlich. Der 1218 klingt allerdings etwas milder und weniger rockig. Eine sehr gute Lösung für Besitzer kleiner Combos, die Blues oder Fusion mit singenden Soli rüberbringen möchten. Immerhin leistet der 1218 150 Watt und bietet somit genügend Druck und Stabilität, um niemals matschig oder verwaschen zu klingen. Und mit einem Straßenpreis von circa € 55 ist dieser Speaker schon ein echtes Schnäppchen.

Insgesamt lebt die Legend-Serie zu Unrecht ein Schattendasein, denn auf den einschlägigen Gitarristen-Foren wird den klangvollen Namen der Red-Coat- und Patriot-Serien deutlich mehr Beachtung geschenkt. Für mich waren die Legends jedoch wirklich interessante Entdeckungen, denn „günstig“ muss ja nicht zwangsläufig „schlechter“ bedeuten. ln der nächsten Ausgabe widmen wir uns voraussichtlich einigen WeberProbanden…

Alle Informationen zu den Produkten finden Sie unter: http://www.adamhall.com/de/Eminence_Guitar_Speaker.htm

Quelle: Gitarre & Bass Magazin, Deutschland, Juni 2011

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